Ein Bahnhof für Braunlage

Braunlage soll an das Streckennetz der Harzer Schmalspurbahnen HSB angebunden werden!

In Planung befindet sich eine Streckenverlängerung der Harzquerbahn zwischen Elend und Braunlage.

Machbarkeitsstudie 2025/2026

Die im Januar 2026 in Braunlage vorgestellten Ergebnisse der Studie werfen einen sehr positiven und hoffnungsvollen Blick auf das ambitionierte Projekt.

Eine Realisierung der neuen Bahnstrecke wird den touristischen Wert der Harzer Schmalspurbahnen durch Anbindung an die Stadt Braunlage als wichtiges touristisches Zentrum im Harz weiter erhöhen und das wirtschaftliche Fundament des Unternehmens stärken.

Die in den Harzer Schmalspurbahnen vereinten Strecken der den Harz überquerenden Harzquerbahn, der Selketalbahn als ältester Schmalspurbahn des Harzes sowie der international bekannten Brockenbahn sind eine der wichtigsten Attraktionen des Harzgebirges.

Mit täglichem Personenverkehr – zum Teil mit Dampfzügen –  stellt sie einerseits eine touristische Größe im Harz dar, andererseits deckt sie den Bedarf an öffentlichem Personennahverkehr (ÖPNV) ab und ist größtenteils mit dem Deutschlandticket benutzbar (außer Brockenbahn).

Harzer Schmalspurbahnen HSB: Streckennetz mit Bahnhof in Braunlage
Ausschnitt Harzer Schmalspurbahnen HSB: Streckennetz mit Bahnhof in Braunlage

Was sind die Vorteile?

Bessere Verkehrs-
und Lebensqualität

Die Rückkehr der Bahn wird nicht nur als verkehrliches Thema verstanden, sondern als bürgerschaftlich getragener Impuls für Identität, Aufenthaltsqualität und wirtschaftliche Entwicklung.

Reduzierung von
Umweltbelastungen

Gerade für ein Heilklima wie das von Braunlage ist saubere Luft ein zentraler Standortfaktor. Zudem schont der schienengebundene Tourismus die empfindlichen Ökosysteme des Nationalparks Harz.

Positive Impulse
für den Tourismus

Die Eisenbahn wirkt hier nicht nur als Verkehrsmittel, sondern als attraktives Erlebnisprodukt, das insbesondere für Familien eine hohe Anziehungskraft entfaltet.

Die Details:

Harzer Schmalspurbahnen HSB: neue Strecke nach Braunlage

Die neue Strecke

Die neue Strecke (rot) schließt unterhalb von Elend am Abzweig Wietfeld an die vorhandene Strecke der Harzquerbahn an.

Mittels eines Gleisdreiecks wird die optimale Anbindung an die Bestandsstrecke erreicht. Die Zweigstrecke nach Braunlage wertet damit beide Fahrtrichtungen auf der Harzquerbahn auf und stellt zugleich neue Verbindungen auf der Harzquerbahn mit wertvollem Fahrgastpotential her.

Vom Abzweig führt die geplante Bahnstrecke ca. fünf km westlich nach Braunlage, zumeist parallel zur bestehenden Bundesstraße 27 (B27, in gelb dargestellt).

Die neue Strecke wird die touristische Infrastruktur sowohl der Stadt Braunlage als auch der Harzer Schmalspurbahnen sinnvoll erweitern. Sie deckt sowohl touristische Bedürfnisse als auch jene des täglichen Bedarfs an öffentlichem Personennahverkehr ab, verbindet die beiden touristischen Zentren Wernigerode und Braunlage enger miteinander und wird auch mit dem Deutschlandticket für alle Reisenden nutzbar sein.

Die Realisierung des Bahnprojekts stellt in mehrfacher Hinsicht einen echten Mehrwert in der gesamten Harzregion in Aussicht.

Der neue Bahnhof

Das Projekt sieht einen Bahnhof nördlich des Ortskerns in Braunlage vor.

Der Bahnhof wird damit optimal in unmittelbarer Nähe der in Braunlage vorhandenen touristischen Infrastruktur gelegen sein. Die Talstation der Wurmbergseilbahn, der Auslauf der Ski-Abfahrten, der Rodelbahn, der Monsterroller-Strecke, der Wurmberg-Carts sowie der Mountainbiketrails am Wurmberg, der Großparkplatz sowie das Eisstadion befinden sich in Sichtweite nur wenige Meter vom Bahnhof entfernt.

Das mit vielen Lokalen und Geschäften belebte Stadtzentrum ist in wenigen Minuten ohne Steigungen fußläufig erreichbar. Der große Kurgarten als einer der bedeutendsten modernen Parkanlagen des Harzes liegt nur fünf Minuten entfernt. Die Tourist-Information liegt quasi „um die Ecke“. Und das Braunlager Schulzentrum befindet sich ebenfalls in unmittelbarer Nähe.

Die Harzquerbahn schließt mit ihrem neuen Bahnhof direkt an das Zentrum Braunlages an.

Damit ist die Lage des Bahnhofs völlig anders zu bewerten als jene des alten Bahnhofs Braunlage der Südharz-Eisenbahn, die seit 1899 bis 1945 über Sorge den Anschluss an die Harzquerbahn und in Tanne einen Anschluss an die Harzzahnradbahn nach Blankenburg sowie bis 1962 einen Bahnanschluss hinab an den Südharzrand nach Walkenried herstellte. Ihr Bahnhof lag bis 1962 südlich des Ortes fernab des touristischen Zentrums.

Ausstattung des neuen Bahnhofs Braunlage: 3 Gleise mit einer Nutzlänge von 135 m sowie Wasserversorgung für die Dampflokomotiven. Damit ist ein Betrieb mit allen Fahrzeuggattungen bis Braunlage sowie die Abstellung von Sonderzügen nach Braunlage außerhalb des regulären Fahrplans möglich.

KI-generiert: angedachter HSB-Bahnhof Braunlage
IG Braunlager Harzquerbahn

Geplante Infrastruktur

  • ca. 5 km neue Gleisanlage
  • zwei Straßenüberführungen B27 sowie „Große Wurmbergstraße“
  • 5 nicht technisch gesicherte Bahnübergänge
  • Leit- und Sicherungstechnik
  • ein neuer Bahnhof in Braunlage

Geplante Infrastruktur – Kostenschätzung

Geschätzte Kosten insgesamt: 41,8 Mio. Euro

  • Erdbau: ~14,9 Mio. €
  • Sonstige Kosten: ~9,3 Mio. €
  • Ingenieurbauwerke: ~6,5 Mio. €
  • Planung & Nebenkosten: ~6,4 Mio. €
  • Oberbau (Gleise etc.): ~4,7 Mio. €
Braunlager Harzquerbahn: geplante Kosten
Braunlager Harzquerbahn: Umweltaspekte

Umweltaspekte

Verschiedene Naturschutzgebiete sind direkt oder indirekt betroffen:

  • u.a. FFH-Gebiete, Nationales Naturmonument, Naturpark und andere Schutzgebiete
  • die Schwere der Eingriffe wird geprüft und entsprechende Kompensationsmaßnahmen werden abgeleitet
  • Vermeidung unnötiger Eingriffe in die Landschaft durch weitgehende Verkehrswegebündelung entlang der B27

Betriebskonzept

Zugzahlen:
6 Zugpaare, inkl. Dampfzugverkehr

Fahrplankonstruktion:
Annahme: 2-h-Takt

Streckenlänge:
Abzweig Wietfeld – Braunlage ca. 5 km

Fahrzeiten:
• Elend – Braunlage: 11,0 min
• Sorge – Braunlage: 22,5 min

Braunlager Harzquerbahn: Betriebskonzept

Mögliche Ticket-Erlöse

Vergleich nach Szenarien im 20. Betriebsjahr

< Tabelle horizontal verschiebbar >

Vergleich im 20. BetriebsjahrSzenario I
(Best-Case)
Anteil Brocken-Verkehre
82%
Szenario II (Average-Case)
Anteil Brocken-Verkehre
43%
Szenario III (Worst-Case)
Anteil Brocken-Verkehre
3,5%
Fahrgastaufkommen
(inkl. Neupotenziale)
317.433359.950402.468
Fahrgastaufkommen
(nach Ticketverkäufen)
206.331233.968261.604
Erlöse aus Ticketeinnahmen
(netto)
4,37 Mio. €3,96 Mio. €3,73 Mio. €

Geschichte(n)

Wieder ein Bahnhof für Braunlage

Die Idee einer Bahnverbindung von Elend nach Braunlage hat eine lange Vorgeschichte und diese zeigt ein fortwährend bestehendes Verkehrsbedürfnis in dieser Verbindung.

Die Planungen scheiterten mal an der Finanzierbarkeit, mal an zu gleicher Zeit konkurrierenden anderen Bahnprojekten, mal an der Befürchtung, bestehende Verbindungen unrentabel zu machen und gleich zwei Mal am Ausbruch der Weltkriege, die das 20. Jahrhundert erschütterten. Danach verhinderte vier Jahrzehnte die deutsche Teilung weitere Überlegungen.

Die wichtigsten Projekte im Überblick:

1899

Schon im August 1899 schuf die meterspurige Südharz–Eisenbahn (SHE), deren Hauptstrecke steil von Walkenried über Wieda in zahlreichen Windungen und Kehren Braunlage erreichte, mit der Zweigstrecke über Sorge nach Tanne Anschlüsse an die ebenfalls 1899 eröffnete Harzquerbahn (NWE) sowie an die Zahnradbahn der Halberstadt-Blankenburger Eisenbahn von Tanne hinab in die damalige Kreisstadt Blankenburg.

1900 / 1905

Nachdem der Braunlager Fuhrherr Karl Buchholz 1900 eine Pferdeomnibus-Verbindung von Braunlage nach Elend und Schierke schuf, wuchs der Wunsch, eine Eisenbahn nach Elend zu erhalten, denn der Weg über Sorge war weiter, erforderte Umsteigen mit Reisegepäck über Treppenstufen und kostete viel Zeit. Der Wunsch führte im Jahr 1905 zu ersten konkreten Projekten.

1906

1906 plante man eine Verbindung zwischen einer neuen Bahnstation am Gütergleis der SHE in Höhe der 1905 eingestellten Glashütte im Norden Braunlages bis nach Elend.

1909

1909 führte der braunschweiger LKW- und Omnibusproduzent Heinrich Büssing eine Kraftomnibuslinie zwischen Braunlage und Elend ein.

1911

1911 prüfte die Halberstadt-Blankenburger Eisenbahn die Übernahme der SHE-Zweigstrecke von Braunlage nach Tanne und deren regelspurigen Ausbau.

1912

1912 schlug der Kreis Blankenburg eine 8,2 km lange Bahnverbindung zwischen Braunlage und Elend vor, die von allen Beteiligten als „dringend wünschenswert“ bezeichnet wurde.

1913

Aus Kostengründen schuf man 1913 eine Gleisverbindung zwischen SHE und NWE in Sorge, um durch den Einsatz von Kurswagen das Umsteigen über die steile Böschungstreppe und später die Überführung über die Gleise der NWE mit Gepäckaufzug zu ersparen. Der Direktor der NWE, Regierungsbaumeister Uflacker gab zugleich den Hinweis, wenn die Gleisverbindung keine Besserung brächte, sofort mit den Vorbereitungen eines Bahnbaus zwischen Braunlage und Elend zu beginnen.

Ebenfalls 1913 begann die Halberstadt-Blankenburger Eisenbahn die Planungen für eine regelspurige Verbindung von Elbingerode über Elend, Braunlage und St. Andreasberg bis Herzberg.

1914

Die Südharz-Eisenbahn legte am 20.01.1914 ein überarbeitetes Projekt einer Bahnstrecke zwischen Braunlage und Elend vor.

Von dem Projekt Elbingerode-Herzberg wurde nur ein Gütergleis von Herzberg ins Siebertal zur Papierfabrik realisiert. Alles weitere verhinderte der Ausbruch des Ersten Weltkrieges.

1924

1924 kam abermals eine Bahnverbindung von Braunlage nach Elend ins Gespräch, wobei die SHE dieses Mal fürchtete, die Rentabilität ihrer schwach ausgelasteten Zweigstrecke nach Tanne zu verlieren.

1933

1933 wurde zum zweiten Mal das Projekt des regelspurigen Ausbaus der Bahnverbindung Braunlage-Sorge-Tanne im Rahmen von „Notstandsarbeiten“ geprüft.

1941

1941 wurde abermals ein Bahnanschluss nach Elend diskutiert.

1945

1945 musste die Zweigstrecke Braunlage-Sorge-Tanne aufgrund der Zonengrenze aufgegeben werden. Die Hoffnungen auf eine Wiederinbetriebnahme in den nächsten Jahren erfüllten sich nicht. Der Anschluss an die Harzquerbahn war damit verloren – scheinbar für immer, denn die Grenze wurde zunehmend undurchlässiger.

1962 / 1963

1962 wurde der Personenverkehr auch auf der Hauptstrecke Walkenried-Braunlage eingestellt. Ein Jahr später fuhr der letzte Güterzug auf der landschaftlich sehr reizvollen und von der Trassenführung außergewöhnlichen Bahnstrecke. Braunlage hatte nun keinen Anschluss an das Eisenbahnnetz mehr. Busse ersetzten die Bahnstrecke.

1990

Schon gleich nach der Wende und noch vor der Wiedervereinigung begann Silke Wagner als Studentin der Hochschule für Verkehrswesen in Dresden im August 1990 mit Überlegungen, eine Bahnverbindung von Braunlage an die Harzquerbahn zu schaffen. Entweder durch Reaktivierung der alten SHE-Verbindung nach Sorge oder einen Neubau direkt von Braunlage nach Elend. Sie legte ihre Ergebnisse in Form einer Diplomarbeit im Jahr 1991 vor.

2009

Im Jahr 2009 wurde abermals eine Anbindung Braunlages an die Harzquerbahn geplant. Die Harzer Schmalspurbahnen (HSB) gaben eine Studie in Auftrag, die mehrere Varianten zwischen Elend und Braunlage ausarbeitete. Die Planungen führten jedoch zu keinem Ergebnis.

2025/2026

Nachdem die bisherigen Überlegungen noch viele Varianten vorsahen, waren diese doch notwendig, um Klarheit über bestehende Möglichkeiten und Schwierigkeiten zu erlangen. Daraus gewann man Erkenntnisse, um letztlich jene Variante weiter zu konkretisieren, die den höchsten  Nutzen für alle Beteiligten bringen wird.

Im Januar 2026 war es soweit: Die HSB stellte eine neue Studie vor, die wirtschaftliche Überlegungen sowie den erzielbaren Nutzen für die HSB, Braunlage und die gesamte Harzregion in den Vordergrund stellte.

Sie konzentriert sich auf die Variante eines Bahnanschlusses mit einem Bahnhof am Braunlager Großparkplatz. Man schließt damit direkt an die in unmittelbarer Nähe gelegene touristische Infrastruktur Braunlages an (Großparkplatz, Eisstadion, Wurmberg-Seilbahn, Skipisten und Downhill-Rollerstrecken sowie die lebendige Innenstadt und den einzigartigen Kurgarten). Letztlich ist es die mit Abstand sinnvollste Variante. Diese erfordert zwar etwas höhere Investitionskosten, ist jedoch hinsichtlich der Folgekosten sehr viel günstiger. Die Variante erfordert im Gegensatz zu anderen Ansätzen keine Schaffung neuer Parkmöglichkeiten und keinen kostspieligen Buspendelverkehr zu einem abseits vom im Tal gelegenen  Ortskern bei einem auf Bergeshöhe gelegenen Bahnhof. Letztlich ist es diese Variante, die einen ungemein höheren Nutzen für alle Beteiligten bringt. Allein durch die Planung eines Gleisdreiecks bei Elend wird eine flexible Einbindung der neuen Strecke nach Braunlage in die bestehende Harzquerbahn gewährleistet. Betriebliche Abläufe und die Versorgung mit Verkehrsleistungen entlang der Harzquerbahn werden unter Einbeziehung Braunlages optimiert.

Es kann nur gehofft werden, dass nunmehr nach über 120 Jahren Vorüberlegungen Braunlage wieder den ersehnten Anschluss an die Harzquerbahn erhält.

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